Die Ausbildungspaten im Kreis Recklinghausen e.V.

Der Heinrich V

Die Ausbildungspaten im Kreis Recklinghausen e.V.

 

Aufgrund der Wahrnehmung des Problems, dass es immer schwerer wird für Jugendliche sich über ihren Berufswunsch klar zu werden, einen Ausbildungsplatz zu finden und die Ausbildung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, hat das Bischöfliche Generalvikariat Münster / Referat Kirche und Arbeitswelt das Projekt „AusbildungsPaten“ gestartet. Ab 2007 wurde es vom Verein „Die Ausbildungspaten im Kreis Recklinghausen e.V.“ übernommen und weitergeführt.
Viele Jugendlichen erhalten in Familie und Umfeld nicht die notwendige Unterstützung und leiden daher an einem Mangel an sozialen Bindungen, Ausdauer, Gesprächsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Dem soll durch die Zuteilung eines Paten , der dem Jugendlichen von der Ausbildungssuche bis hin zur hoffentlich erfolgreichen Beendigung der Ausbildung hilfreich mit Rat und Tat zur Seite steht, ausgeholfen werden.
Dazu gibt es Kooperationen mit Haupt- und Gesamtschulen in Castrop-Rauxel, Datteln, Dorsten, Gladbeck, Heltern, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop. Der Verein kümmert sich um die Vermittlung der Patinnen und Paten und sorgt für deren Qualifizierung und Unterstützung durch eine Paten-Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen.

Die Verleihung

Bei der Preisverleihung  auf dem Böll Forum 2008 hielt Oliver Keymis die Rede. Bei der Preisübergabe 2009 in Recklinghausen wurde die Laudatio von Prof. Friedhelm Hengsbach gehalten.

Preis-wert weil…

Bei der Suche nach einem Preisträger für Heinrich V. war schon früh klar, dass ein Ausbildungspatenprojekt Preiswürdig sei. Es wurde sich dann für die „AusbildungsPaten im Kreis Recklinghausen e.V.“ entschieden, da diese ein besonders gut für Nachahmer übertragbares Konzept verfolgen.
So wurde von Anfang an bewusst von anderen, älteren Vereinen mit ähnlicher Ausrichtung gelernt. Es wurde nicht auf Großförderer gewartet, sondern ein regionales Netz geknüpft. Dabei wurden Schulen, Gewerkschaften, IHK, VHS und viele weitere Institutionen mit ins Boot geholt.
Ein wichtiger Punkt war auch die Freiwilligkeit der Partnerschaften zwischen Jugendlichen und Paten. Trotzdem gibt es erfreulich wenige Trennungen. Ein weiterer positiver Effekt ist der intergenerationelle Charakter der Partnerschaften.
Wichtig war bei der Entscheidung auch, dass der Verein mit sehr kleinem Budget sehr viele Partnerschaften vermittelt. Auch die Frauenquote wird bei den Paten erfüllt.
Viele Paten haben Ausbildereignungsprüfungen abgelegt oder andere Qualifikationen. Darüber hinaus kümmert sich der Verein in Zusammenarbeit mit der VHS um die Aus- und Fortbildung der Paten. Grundlegendes wird in der dreistufigen Ausbildung vermittelt und dann mit regelmäßigen Fortbildungen aufgefrischt und erweitert.

Was wurde eigentlich aus den Ausbildungspaten?

Seit der Verleihung des Ideen und Initiativenpreises der Heinrich Böll Stiftung NRW wurden zusätzlich zum geehrten Projekt der Ausbildungspaten noch sogenannte Bewerbungspaten und Alarmpaten eingeführt.
Bei den Bewerbungspaten handelt es sich um Patinnen und Paten, die selbst beruflich oder anderweitig Erfahrung mit Bewerbungen haben, zum Beispiel arbeiten sie selbst in Personalabteilungen. Für das Projekt wurde eine Email Adresse eingerichtet, an die Jugendliche Bewerbungen schicken können, um sie von erfahrenen Bewerbungspaten gegenlesen und korrigieren zu lassen. . Leider wurde diese Möglichkeit nicht richtig angenommen und lief nur sehr schleppend. Zwar besteht die Möglichkeit weiterhin, das Hauptaufgabenfeld der Bewerbungspaten liegt nun jedoch in der Beratung der Ausbildungspaten und darin Fortbildungen und Seminare abzuhalten.
In der Vergangenheit hatten sich Eltern oder Azubis bei akuten Konfliktsituationen in der Ausbildung, z.B. Mobbing oder Abmahnung, an die Ausbildungspaten gewandt. Da die Kapazitäten es jedoch nicht hergaben, dann immer schnell und adäquat genug reagieren zu können, entschied sich der Verein für  eine neue Herangehensweise: Die Alarmpaten. Es wurde eine Hotline eingerichtet, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist. Das ist nur möglich durch die Unterstützung einer Neusser Firma, die die Hotline zur Verfügung stellt. Via Email Verteiler werden dann die Alarmpaten informiert und innerhalb von 24 Stunden kümmert sich der Diensthabende um das Problem des Azubis. Der Alarmpaten-Notruf wird etwa ein- bis zweimal pro Monat genutzt.
Das Ausbildungspatenprogramm läuft im Grundsatz noch genau so wie 2008 weiter. Es soll nun jedoch der Kontakt zwischen Paten und Schülern schon in der 9. Klasse hergestellt werden, damit mehr Zeit bleibt auf die Schüler und Schülerinnen positiv einzuwirken und ggf. das für die Bewerbungen wichtige Halbjahreszeugnis der 10. Klasse verbessern zu können. Da jede Patenschaft eine gewisse Anlauf- und Kennenlernzeit braucht, blieb den Paten bei einem Beginn der Patenschaft in Klasse 10 nicht genug Zeit, um gemeinsam mit dem Schüler/der Schülerin ein adäquates Konzept zu erstellen.
Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert werden. Zum Beispiel sollen dafür bei den regelmäßigen Treffen der Patinnen und Paten auch LehrerInnen anwesend sein.
Auch die Fortbildungen für die Patinnen und Paten werden vermehrt, um deren Informationsstand dauerhaft auf hohem Niveau gewährleisten zu können. Außerdem wurde eine Kontaktliste zusammengestellt, auf der verschiedene Institutionen, die Ihre Hilfe bei spezielleren Problemen zugesagt haben, vermerkt sind.
Die Wirkung der Preisträgerschaft für den Verein äußert sich vor allem in der Mitglieder- und Sponsorenakquise. Hier hilft es immer, wenn die Seriosität des Projektes und des Vereins durch eine angesehene Institution bestätigt wird. Daher wird der Preis sowohl in der Werbung von Sponsoren und Mitgliedern als auch im Vereins-Flyer und auf der Website erwähnt.
Das Objekt des Heinrich als ein Werk des Beuys Schülers Felix Droese bietet eine Diskussionsgrundlage, ist in seiner Ungewöhnlichkeit kommunikationsanregend und weckt Neugierde.  Es wurde mit anfänglichem Erstaunen und Freude aufgenommen.
Für den Verein lässt sich die Aussage des Objektes in seiner Form einer Gießkanne ohne Tülle hervorragend in Verbindung setzen mit der Arbeit der Ausbildungspaten, die sich bemühen,  die Jugendlichen gezielt und passend in der  jeweiligen Situation und Problemlage zu unterstützen. Genau dafür steht die Gießkanne ohne Tülle. Es wird nicht gleichmäßig und weitstreuend, sondern gezielt „gegossen“. Darüber hinaus erinnert der Heinrich, der im Büro des Vereins steht, die Beteiligten immer wieder an die Verleihung und die anerkennenden Worte die Oliver Keymis bei der Überreichung fand. Er steht für eine Ermunterung weiterzumachen und mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. Auch dazu passt das Objekt in seiner Reduziertheit gut.

 

 
 
 
 
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