Kritisch & Grün: Feierabendtalk mit Mona Montegenziana zum Thema Intergender

Kritisch & Grün: Feierabendtalk mit Mona Montegenziana zum Thema Intergender

Das Bild zeigt v.l. Mona Montegenziana, Linda Lieber und Iris Witt.. Urheber: HBS NRW. All rights reserved.

Intergender – ein Leben „zwischen“ den Geschlechtern? Nennt man das nicht Transsexualität?

Zwitter, Geschlechtslose, Mannfrauen – es sind nur wenige der Begriffe, mit denen intersexuelle Menschen oft  konfrontiert werden. Die Frage, worin der Unterschied zur in gesellschaftlichen Kreisen bekannteren Transsexualität liegt, stellt sich nicht selten – ist jedoch laut medizinischer Definition schnell zu beantworten: Transsexuelle Menschen fühlen sich einer anderen Geschlechtsidentität zugeordnet als ihrer biologischen, dem sogenannten „sex“, die in diesen Fällen zunächst eindeutig männlich oder weiblich ist.  Transsexuelle entscheiden sich im Rahmen eines psychischen Umwandlungsprozesses deswegen häufig zur Entfernung ihrer ursprünglichen  körperlichen Geschlechtsmerkmale, um den zukünftigen Lebensweg im nun „richtigen“ Körper fortführen zu können, da sie sich nicht oder unzureichend durch ihr angeborenes Geschlecht beschrieben fühlen.  Diese geschlechtliche Nichtübereinstimmung basiert somit sowohl auf einer physiologischen Diskrepanz, als auch dem psychologischen Konflikt, sich ausschließlich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen zu wollen.

Anders lässt sich die Situation der intersexuellen oder auch intergeschlechtlichen Personen beschreiben: Aufgrund  genetischer, anatomischer und/oder hormoneller Besonderheiten kann keine eindeutige männliche oder weibliche geschlechtliche Zuordnung stattfinden – im Gegensatz zum Transgender spricht man hier von einer Uneindeutigkeit des Körpergeschlechts. Resultierend hieraus stellt sich den betroffenen Personen nun die Möglichkeit, sich für eines – oft das Geschlecht, dessen Merkmale im psychischen und körperlichen Erscheinungsbild überwiegen – zu entscheiden und ihren Körper anzupassen. Besonders bei Neugeborenen, die oben genannte Symptome aufweisen, werden geschlechtsangleichende Maßnahmen im Kindesalter getroffen. Diese Eingriffe führen jedoch häufig zu Identitätsstörungen, sind sie auf den ersten Blick doch zunächst medizinisch nicht notwendig. Offen gelebte Intersexualität hingegen äußert sich im Ausleben beider Rollengeschlechter: Das soziale Geschlecht, „gender“, dient somit in seinen zwei Ausprägungen als Identitätsgeschlecht. Das zweigliedrige gesellschaftliche  Geschlechterdenken macht es Betroffenen schwer, einen offenen Umgang mit ihrer Persönlichkeit zu pflegen: Die Forderung nach Gleichberechtigung führte am 7. Mai 2013 zur Verabschiedung einer Änderung des Personenstandgesetzes durch den Bundestag, nach der der Personenstandsfall von  Kindern, die  weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können, ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister eingetragen werden darf.

Mona Montegenziana

„Gestattet, dass ich mich kurz vorstelle. Ich heiße Mona Montegenziana, bin 53 Jahre alt – und ein Intergender. Das bedeutet, dass ich körperlich eindeutig ein Mann bin, sozial jedoch in beiden Normgeschlechtern lebe. Das habe ich mir nicht so ausgesucht, sondern verbrachte Jahrzehnte damit, dagegen anzukämpfen – ich wollte „normal“ sein. Heute lebe ich von meiner Umgebung toleriert, zuweilen akzeptiert und weitgehend selbstbestimmt mein Leben.  Auf meinem langen Weg stellte ich immer wieder fest, dass Menschen, die kein normgerechtes Leben in unserer Gesellschaft führen, massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind. Sei es durch Medien, durch Medizin und Psychologie, durch Kirche und Staat, durch Gesetzgebung und Verwaltung oder durch andere sogenannte Randgruppen.  Intergender leben meist im Schatten, sie bleiben mit ihren Schuldgefühlen allein und isoliert. Doch wir sind viele.“