Kann Kunst die Gesellschaft verändern?

Kann Kunst die Gesellschaft verändern?

Gruppenfoto in LangenbroichUrheber: HBS NRW. All rights reserved.

„Ja sie kann!“, wenn es nach den Teilnehmer*innen der drei-tägigen Bildungsveranstaltung zu Heinrich Böll und Josef Beuys geht.

Zu diesem Schluss gelangte die Gruppe nach der lebendigen und eindrucksvollen Reise zu den Orten des künstlerischen Schaffens der zwei Koryphäen in NRW. Die Böll- und Beuys-Experten, Markus Schäfer – wissenschaftlicher Mitarbeiter des Böll Archives in Köln – sowie Dr. Wolfgang Zumdick – international arbeitender Autor, Philosoph und Kurator –, informierten die Teilnehmer*innen über das Leben und Wirken der befreundeten Jahrhundertkünstler.

Nach einem inhaltlichen Input ging es für die Gruppe als erste Station in die Sommerresidenz Heinrich und Eva Bölls nach Langenbroich. Das in den 60er Jahren von der Familie Böll erworbene Haus ist heute, auf Wunsch Heinrich Bölls, ein ruhiger Ort des Arbeitens und des Austausches für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Stipendiaten*innen können hier für vier Monate Zuflucht finden und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. In guter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen wurden, seit Gründung des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.“ im Jahr 1989, nahezu 150 Künstler*innen aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Ost- und Südosteuropa eingeladen. Viele der Gäste fliehen vor politischer Verfolgung im Heimatland oder leben schon seit längerer Zeit im Exil. Besonders interessant und beeindruckend war in diesem Zusammenhang das Treffen mit einem derzeit dort hospitierenden Stipendiaten: einem säkularen Blogger aus Indien, der kritisch über die Missstände im Land schrieb und aus diesem Grund mit seiner Familie flüchten musste. Die mutige Arbeit dieser Person beeindruckte die Teilnehmer*innen sehr. 

Nach dieser Begegnung verließ die Gruppe Langenborich und es ging weiter in die Stadtbibliothek nach Köln. Hier ist Heinrich Bölls Büro aus seiner Stadtwohnung untergebracht und auch das Böllarchiv ist hier ansässig, sodass alle Werke des Künstlers betrachtet werden konnten. Anschließend begab sich die Gruppe auf einen literarischen Spaziergang durch das Kölner Stadtbild mit entsprechenden Texten und biografischen Erläuterungen.

Am nächsten Tag wurden die Spuren von Josef Beuys Aktionskunst in Düsseldorf erkundet. Nach einer theoretischen Heranführung an seine Installationen und sein Leben in der Düsseldorfer Kunstakademie, besuchten die Teilnehmer*innen die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20). Im Jahr 1992 hat die Kunstsammlung das Spätwerk Palazzo Regale (1985) erworben. Heute gehören etwa 80 Installationen, Vitrinen, Zeichnungen und Collagen von Beuys (von 1944 bis 1985) zum Repertoire der Kunstsammlung.

Beuys Strategie, die Menschen durch Provokation und Neuerfindung zum Nachdenken zu bewegen, ist legendär. Sein erweiterter Kunstbegriff und die von ihm erdachte „Soziale Plastik“, die jeden Menschen zu einem Künstler und Gestalter politischer, ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse erheben möchte, beeindruckten die Gruppe sehr.

Was die beiden Künstler vereint, sind die visionären Gedankenkonstrukte über Zukunft und Gesellschaft. Beide wurden nicht müde, den Menschen kritische Perspektiven in unsere Konsumgesellschaft aufzuzeigen und sie gleichzeitig dazu zu befähigen, sich aus festen Denkstrukturen und ihrer Komfortzone herauszubewegen. Beuys und Böll schaffen es – bis heute – die Menschen aufzurütteln und zu inspirieren, dies steht für die Teilnehmer*innen fest.

(Johanna Schneider, Praktikantin)