Heinrich XIV: Ein interkultureller Garten vereint

Heinrich XIV: Ein interkultureller Garten vereint

v.l.: Laudator Alexander Tietz-Latza,Gartenmitglieder Rolf Martin, Namiaa Saadoune, Vorstandsmitglied Abdelmajid El Ghrib und Iris Witt, Geschäftsführerin HBS NRW. Urheber: Jürgen Jansen. All rights reserved.

Interkulturelle Vernetzung trifft auf ökologisches Engagement in der Stadt: Der 14. Initiativ- und Ideenpreis "Der Heinrich" ehrt den Bielefelder Verein "Garten-Kultur-Verein(t) Sieker". Der Preis der Heinrich Böll Stiftung Nordrhein-Westfalen zeichnet jährlich innovative Projekte aus Nordrhein-Westfalen aus, um für „beachtlich Geleistetes“ Aufmerksamkeit zu schaffen. Anders als so häufig ist mit ihm zwar weder Preisgeld noch die Auszeichnung einzelner Persönlichkeiten verbunden, sondern immer die Ehrung einer gesamten Organisation und Sichtbarmachen der unterstützenden Aktiven. Die Auswahl würdiger Projekte sei dabei nicht immer leicht, so ALexander Tietz-Latza, Mitglied der Heinrich-Preisjury: "In diesem Jahr erreichten uns besonders viele Vorschläge. Wir waren immer wieder überrascht, welche tollen Ideen und Projekte in der Mitte oder gerade dem Rand der Gesellschaft entstehen, um konkrete Probleme und Herausforderungen hier in NRW anzugehen." Schließlich entschied man sich doch für den geheimen Favoriten - Gründe seien unter anderem herausragender Mut und Einsatz für eine Verbindung von Integration, Nachhaltigkeit und direkter Partizipation auf nachbarschaftlicher Ebene, so Tietz-Latza in seiner Laudatio während der Preisverleihung beim 20. Böll-Forum im Literaturhaus Köln.

Die Idee zu den neuen Gärten für Sieker ist im Rahmen der Umsetzung des Integrierten Stadtteilentwicklungsprojektes (Soziale Stadt) Bielefeld Sieker Mitte entstanden, aufgegriffen und weiter entwickelt worden: Bewohner*innen der Großsiedlung in Sieker hatten den Gedanken, im Rahmen des neuen „Sieker Parks“ auf den ehemaligen Brachflächen zu gärtnern. Diesen „Freiraum“ zu eröffnen und den neu entstehenden Park als „eigene“, nachbarschaftlich und gemeinschaftlich zu nutzende Fläche zu verankern, war Ausgangspunkt für das Engagement von Bewohner*innen, unterstützt durch die örtliche Quartiersbetreuung. 
Die Garteninteressent*innen sind überwiegend Migrant*innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturkreisen, die während des Planungsprozesses für den Park die Idee hatten, sich selbst durch einen Garten in die Parkgestaltung und -nutzung mit einzubringen. Die Initiative ging vor allem von einigen Frauen aus den örtlichen Kindergärten und einem örtlichen Stadtteiltreff aus. Das Interesse war sofort riesengroß. Per Losverfahren wurden die 40 Gartenparzellen unter 90 Interessent*innen vergeben.
Seit 2015 arbeiten die Vereinsmitglieder auf ihren Gartenparzellen zusammen, organisieren sich im Verein, lernen die Vereinsform als gelebte Demokratie immer mehr schätzen. Das Wohnumfeld hat sich durch diese Zusammenarbeit und bewirtschaftete Grünfläche stark verbessert, die Nachbarschaft ist mehr zusammengewachsen, der Kontakt untereinander gewachsen. Die teilweise Eigenversorgung mit Obst und Gemüse macht stolz und das miteinander hebt das Lebensgefühl.

 

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