Begehen & Erfahren

Aktuelle Bildungsreisen

Die Welt neu entdecken

Vieles lässt sich kaum im Seminarraum, über PowerPoint oder durch ein Buch darstellen, sondern muss vor Ort erlebt werden. Zu dieser Form der sinnlichen Bildung lädt die Heinrich Böll Stiftung NRW auf verschiedenen Wegen ein: Unbekannte Orte und Routen, Geschichten und Zusammenhänge sollen nicht nur theoretisch verstanden, sondern auch mit allen Sinnen erfahren und begangen werden. Jeder Ort hat seine eigene Geschichte und Aussagekraft. Mancher Ort lässt sich am Besten erradeln, der andere braucht die ganze Zeit und Ruhe eines Fußweges. Mit unseren Bildungsreisen sollen diese Arten der (Fort-)Bewegung kultiviert werden.

Unsere Preisgestaltung

Faire Honorare für Referent*innen und möglichst transparente Kalkulationen gehören zu unserem Selbstverständnis. 
Durch flexible Preisgestaltungen soll auch finanzschwachen Gruppen der Zugang zu unseren Bildungsangeboten ermöglicht werden. Deswegen erhalten u.a. Schüler*innen, Studierende und Arbeitssuchende durch unseren Sparpreis einen Rabatt auf den Grundpreis.
Da unsere Teilnahmebeiträge nicht kostendeckend sind, fördern Sie durch die freiwillige Zahlung des Solidarpreises die kostengünstigere Teilnahme von Geringverdienenden und freiwillig Engagierten.

Allgemeine Informationen zu Arbeitnehmerweiterbildung/Bildungsurlaub

Beschäftigte in NRW haben einen rechtlichen Anspruch auf Arbeitnehmerweiterbildung/ Bildungsurlaub. Dies wird im „Gesetz zur Freistellung von Arbeitnehmern zum Zwecke der beruflichen und politischen Weiterbildung - Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz (AWbG)“ geregelt. Viele unserer Reisen lassen sich auch als Bildungsurlaub nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW anrechnen. Was Bildungsurlaub ist und wer diesen beantragen kann, ist hier zu lesen.  

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Zu Fuß

Um neue Welten zu entdecken, muss man keinen Urlaub am Palmenstrand buchen. Die lokale und regionale Kultur hat eine Menge zu bieten. Viele markante und sehenswerte Orte erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Unsere Wanderurlaube kommen den individuellen und sozialen Identitäten auf die Spur und suchen Orte auf, an denen sich diese gebildet haben. Die identitätsstiftende Wirkung der Orte liegt in der Verknüpfung von Gegenwart, Gedächtnis, Erinnerung von Vergangenheit und Zukunftsentwurf.

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Mit dem Rad

Radfahren ist eine soziale, ökologische, sinnliche, lustvolle, bereichernde und lehrreiche Zukunftsoption. Der gemeinsame Weg bei Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Veranstaltungen bringt die gemeinsamen Ideen und Menschen näher zusammen. Das macht jede Radfahrt politisch und zu einem Bildungserlebnis. Inzwischen nutzen viele politische Gruppen den Rückenwind der Radbewegung und machen sich gemeinsam auf den Weg.

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In die Stadt

So unterschiedlich die Städte Istanbul, Freiburg oder Brüssel auch sind. Ihnen ist gemein, dass sie eine geballte Mischung aus historischen, kulturellen und politischen Eigenheiten und Ausprägungen auf engstem Raum präsentieren. Diesen zu entdecken und zu erleben, dabei das eigene Wissen aufzufrischen und noch das ganz spezielle Flair und die regionalen Köstlichkeiten zu genießen, das zeichnet eine Stadtreise aus.

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Weitere Angebote

Hier finden Sie weitere Angebote zu Bildungsreisen.

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Reiseberichte

Kann Kunst die Gesellschaft verändern?

„Ja sie kann!“, wenn es nach den Teilnehmer*innen der drei-tägigen Bildungsveranstaltung zu Heinrich Böll und Josef Beuys geht.

Zu diesem Schluss gelangte die Gruppe nach der lebendigen und eindrucksvollen Reise zu den Orten des künstlerischen Schaffens der zwei Koryphäen in NRW. Die Böll- und Beuys-Experten, Markus Schäfer – wissenschaftlicher Mitarbeiter des Böll Archives in Köln – sowie Dr. Wolfgang Zumdick – international arbeitender Autor, Philosoph und Kurator –, informierten die Teilnehmer*innen über das Leben und Wirken der befreundeten Jahrhundertkünstler.

Nach einem inhaltlichen Input ging es für die Gruppe als erste Station in die Sommerresidenz Heinrich und Eva Bölls nach Langenbroich. Das in den 60er Jahren von der Familie Böll erworbene Haus ist heute, auf Wunsch Heinrich Bölls, ein ruhiger Ort des Arbeitens und des Austausches für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Stipendiaten*innen können hier für vier Monate Zuflucht finden und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. In guter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen wurden, seit Gründung des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.“ im Jahr 1989, nahezu 150 Künstler*innen aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Ost- und Südosteuropa eingeladen. Viele der Gäste fliehen vor politischer Verfolgung im Heimatland oder leben schon seit längerer Zeit im Exil. Besonders interessant und beeindruckend war in diesem Zusammenhang das Treffen mit einem derzeit dort hospitierenden Stipendiaten: einem säkularen Blogger aus Indien, der kritisch über die Missstände im Land schrieb und aus diesem Grund mit seiner Familie flüchten musste. Die mutige Arbeit dieser Person beeindruckte die Teilnehmer*innen sehr. 

Nach dieser Begegnung verließ die Gruppe Langenborich und es ging weiter in die Stadtbibliothek nach Köln. Hier ist Heinrich Bölls Büro aus seiner Stadtwohnung untergebracht und auch das Böllarchiv ist hier ansässig, sodass alle Werke des Künstlers betrachtet werden konnten. Anschließend begab sich die Gruppe auf einen literarischen Spaziergang durch das Kölner Stadtbild mit entsprechenden Texten und biografischen Erläuterungen.

Am nächsten Tag wurden die Spuren von Josef Beuys Aktionskunst in Düsseldorf erkundet. Nach einer theoretischen Heranführung an seine Installationen und sein Leben in der Düsseldorfer Kunstakademie, besuchten die Teilnehmer*innen die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20). Im Jahr 1992 hat die Kunstsammlung das Spätwerk Palazzo Regale (1985) erworben. Heute gehören etwa 80 Installationen, Vitrinen, Zeichnungen und Collagen von Beuys (von 1944 bis 1985) zum Repertoire der Kunstsammlung.

Beuys Strategie, die Menschen durch Provokation und Neuerfindung zum Nachdenken zu bewegen, ist legendär. Sein erweiterter Kunstbegriff und die von ihm erdachte „Soziale Plastik“, die jeden Menschen zu einem Künstler und Gestalter politischer, ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse erheben möchte, beeindruckten die Gruppe sehr.

Was die beiden Künstler vereint, sind die visionären Gedankenkonstrukte über Zukunft und Gesellschaft. Beide wurden nicht müde, den Menschen kritische Perspektiven in unsere Konsumgesellschaft aufzuzeigen und sie gleichzeitig dazu zu befähigen, sich aus festen Denkstrukturen und ihrer Komfortzone herauszubewegen. Beuys und Böll schaffen es – bis heute – die Menschen aufzurütteln und zu inspirieren, dies steht für die Teilnehmer*innen fest.

(Johanna Schneider, Praktikantin)

Nachbericht: Hält Europa IHR versprechen? 2016

Montag, 9. Mai
Nach der Ankunft der Teilnehmerinnen im ICA – Institute of Cultural Affairs in Brüssel begann das Seminar mit dem gegenseitigen Kennenlernen und der Vorstellung des Seminarprogramms. Gemeinsam erarbeiteten wir uns danach die bekannten und unbekannten Institutionen, die mit der EU in Zusammenhang gebracht werden und warfen einen genaueren Blick auf deren Aufgaben.

Dienstag, 10. Mai
Der Dienstag begann mit der Orientierung vor Ort und der Wahrnehmung Brüssels nicht nur als Stadt der Europäischen Union und Sitz vieler ihrer Institutionen, sondern auch als Stadt der sozialen Gegensätze, der Migration und der bewussten, gelungenen und weniger gelungenen Stadtentwicklung der letzten 150 Jahre. Geführt wurden wir von Malte Woidt.

Das Mittagessen nahmen wir im Zentrum für Gleichstellung der Geschlechter „Amazone“, dem ehemaligen belgischen Frauenzentrum ein. Es handelt sich um ein Slow Food Restaurant, in dem regionale Produkte verarbeitet werden. Hier hatten wir Gelegenheit, die vormittäglichen Erkenntnisse zu reflektieren (Link: www.amazone.be).

Unser erster Gesprächstermin fand bei Equinet – the European Network of Equality Bodies mit Katrine Steinfeld (Policy Officer: Gender Equality) und Sarah Cooke O’Dowde (Communication Officer) statt. Dort interessierten uns u.a. folgende Fragen: Warum gibt es das Netzwerk und wie funktioniert es? Was sind aktuelle Schwerpunkte? Welchen Einfluss hat Equinet auf die Gleichstellungspraxis in den Mitgliedsländern? Was ist aus Sicht von Equinet eine der vordringlichsten Aufgaben im Bereich der Förderung von Gleichstellung? Inwieweit nutzt Equinet Veröffentlichungen des European Institute for Gender Equality (EIGE) für die eigene Arbeit? (Link: www.equineteurope.org

Mittwoch, 11. Mai
Der Mittwoch war der terminreichste Seminartag mit drei Terminen und einem dichten inhaltlichen Programm. Zuerst besuchten wir das Brüsseler Büro der Heinrich-Böll-Stiftung und durften die Räumlichkeiten für unser erstes Gespräch mit Stephanie Ledermüller, der Ständigen Vertretung (StäV) der Bundesrepublik Deutschland bei der EU, nutzen.

Sie arbeitet im Referat „Familien-, Senioren-, Frauen- und Jugendpolitik“ und mit ihr besprachen wir Fragen wie: Welche Aufgaben hat die StäV? Welche Positionen gibt es bzgl. Gender, Diversity, Flucht, Asyl? Welche Initiativen sind geplant? Wie ist die Bilanz zur EU-Gleichstellungsstrategie 2010-2015 und wie gestaltet sich eine Fortsetzung? Wie kann Politik, die offiziell von der Gleichstellung (zumindest in der Arbeitswelt) getragen ist, auf deren Erfüllung von Gleichstellung hin geprüft werden? Welche Ansatzpunkte und Schalthebel hat die StäV zur Verfügung?

Nach diesem Termin konnten wir auch mit dem Leiter des Brüsseler Büros sprechen. Aktuell würden seitens des Büros folgende Themen in Sachen Gleichstellung angegangen:

  • Gewalt gegen Frauen
  • Konferenz in Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen (u.a. FES) zu Rechtspopulismus aus feministischer Perspektive

Am Nachmittag hatten wir die Gelegenheit uns mir Dr. Daniela Bankier - zuständig für Gleichstellungspolitik bei der Europäischen Kommission (Generaldirektion Justiz und Verbraucher*innen, Direktion D Gleichstellung, Referat D2: Gleichstellung von Frauen und Männern) - zu treffen und zu sprechen. 
Unsere Fragen im Gepäck waren u.a.: Wie ist die Bilanz zur EU-Gleichstellungsstrategie 2010-2015 und wie gestaltet sich eine Fortsetzung? Welche Ansatzpunkte und Schalthebel hat die Kommission zur Verfügung?

Donnerstag, 12. Mai
Am Donnerstag ging es ins Europäische Parlament und zum Gespräch mit Lea Haas, der Büroleiterin von Therry Reintke, MdEP, Die Grünen/Freie Europäische Allianz (Grüne/FEA). Die Abgeordneten tagten gerade in Straßbourg, das Parlamentsgebäude war aus diesem Grund recht leer, was den Besuch aber auch sehr entspannte.
Diese Punkte kamen bei dem Treffen zur Sprache:

  • Istanbul-Konvention: Gewalt gegen Frauen als derzeitiges zentrales Thema (Kommissarin Jurova)
  • In der Directive bzw. Richtlinie „Women on Board“, die EU-weit eine Quote von 40% beinhaltet, hat Deutschland eine Klausel hinein verhandelt, dass bereits erfolgte Quotenregelegungen in den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin bestehen bleiben und keine Angleichung erfahren
  • Backlash auf EU-Ebene spürbar
  • Public Consultation der EU-Kommission
  • Ratschlussfolgerungen zu LGBTI und Gender stehen an (NL Ratspräsidentschaft)
  • Ratspräsidentschaft erfolgskritisch für die politische Agenda in der EU/Brüssel (Rat ist im Gesetzgebungsprozess neben EP und KOM zentral)

Und zwischendurch gab es für uns eine Pause bei Becker‘s gleich hinter dem Park hinter dem Parlamentsgebäude.

Den letzten Termin nahmen wir in der Ständigen Vertretung der Niederlande wahr – aufgrund der Ratspräsidentschaft des Landes (1. Januar bis 30. Juni 2016) wurden von hier aus eine Anzahl von Diskussionen und Initiativen in Sachen Gleichstellung ins Rollen gebracht, entgegen einiger Widerstände.

Bericht: Tanja Berger

Rückblick: Copenhagenize! 2016

Montag, 30. Mai
Unser erster offizieller Termin führte uns in die technische Stadtverwaltung von Kopenhagen. Dort empfing uns Kristine Munksgård Pedersen aus dem städtischen Strategie-Büro. Sie gab einen Überblick über Kopenhagens ambitionierte Pläne für eine nachhaltige Entwicklung der Kommune und die angestrebte CO2-Neutralität bis 2025. Investitionen und neue Konzepte im Bereich der Verkehrsinfrastruktur standen ebenso im Fokus. 

Kopenhagen hat es sich zum Ziel gesetzt, eine lebenswerte Stadt zu sein. Nicht nur deshalb muss schon jetzt jeden Monat für bis zu 1000 neue Einwohner*innen Lebensraum und entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Die Stadt möchte dabei „grüner“ und „blauer“ werden. Letzteres ist durch die Wiedergewinnung des inneren Hafens als Naherholungsgebiet im Stadtzentrum bereits Wirklichkeit geworden. Das in der Vergangenheit stark belastete Wasser ist heute wieder für den Schwimmbetrieb freigegeben. Das Leben kehrt zurück an die Ufer.

Gleich im Anschluss an das Treffen im Rathaus folgte eine informative Radtour mit Lars Testmann und zwei Arbeitskollegen von der Beratungsgesellschaft Rambøll. Während Lars die teils vorbildhafte verkehrstechnische Infrastruktur der Innenstadt vorstellte, schlug er auch kritische Töne an und verwies auf die noch zahlreichen „missing links“ im Straßen- und Fahrradwegenetz. Auch wurde schnell deutlich, dass der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad nicht automatisch alle Probleme der Stadtplanung löst, sondern ebenso neue zu schaffen vermag. Der notwendige intelligente Umgang mit den schieren Massen an Drahteseln wurde am Bahnhof Nørreport gezeigt. Halb in den Boden eingesenkte Stellplätze bieten Raum zum Parken des Fahrrads, fangen bei Unwetter kurzzeitig Regenmassen auf und ermöglichen weiterhin einen ungestörten Blick über den gesamten Platz.

Dienstag, 31. Mai
Das Louisiana Museum of Modern Art war der erste Anlaufpunkt des nächsten Morgens. Der auf den ersten Blick provinziell anmutende Bau hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Nachdem wir durch das ursprüngliche Herrenhaus in das Besucherfoyer treten, ergibt sich für uns der Blick auf die prachtvolle, mit Skulpturen gespickte Parkanlage.  Der Bauherr Knud Jensen und die dänischen Architekten Bö und Wohlert schufen inmitten einer Idylle ein architektonisch beeindruckendes Museum, das seinesgleichen sucht. Die weitläufigen Ausstellungssäle sind unter dem Erdreich verborgen. Das Museum entfaltet seine Wirkung durch die einmalige Topographie und das Wechselspiel zwischen Ruhe und Spannung, Größe und Heimlichkeit sowie Außen und Innen. 

Bei unserem Besuch wartete das Museum neben seiner Dauerausstellung (von Werken u.a. von Yves Klein, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz, Max Ernst, Joan Miró, Henry Moore, Alberto Giacometti und dem dänischen Modernisten Asger Jorn) mit einer Retrospektive kinetischer/optischer Kunst von ihren Anfängen bis zu ihren zeitgenössischen Vertretern auf. 

Am frühen Nachmittag trafen wir Kurt Chirstensen, einen bei der zurückliegenden Überplanung des alten Schlachthof-Viertels und Teilen Vesterbros beteiligten Architekten. Unser Treffpunkt am DGI-Byen war zugleich der erste Anlaufpunkt: Ein halböffentlich geführtes Sport-, Aktivitäten- und Freizeitzentrum, das nicht nur durch die clevere ovale Endlos-Schwimmbahn im Hallenbad als bautechnische Lösung überzeugte. Das Schlachthof-Viertel wurde näher erkundet, u.a. konnten wir im öffentlichen Musikzentrum einem Streichkonzert von Kindern- und  Jugendlichen lauschen. Die Fülle an Angeboten für die Bürger*innen allein im Schlachthof-Viertel war eindrucksvoll. Der Stadtteil Vesterbro profitierte neben der Neuerschließung des alten Schlachthof-Viertels ungemein von der Sanierung längst maroder Wohngebäude. Neben einer allgemeinen Modernisierung (Anschluss an das Fernwärme-Netz, Ausstattung aller Wohnungen mit eigenen Sanitärräumen) wurden ganze Strukturen entfernt oder neu modelliert, um einer anderen Sozialstruktur Platz zu schaffen.

Kleinstwohnungen wurden für familiengerechtes Wohnen zusammengelegt, Hinterhof-Bebauungen entfernt und durch gemeinschaftlich gepflegtes Parkgrün ersetzt. Die Erneuerung des Stadtteils ging offenbar mit einer teilweisen Verdrängung alter und zumeist ärmerer Milieus einher. Doch noch hat Vesterbro seinen alten Charme nicht verloren, sondern vielmehr an gebotener Lebensqualität für alle dazugewonnen. Der Umbau geschah in enger Kommunikation mit den Bewohnern des Viertels, den Wohnungsinhabern sowie Kommune und Land. Ein so beherzter und gelungener Eingriff in alte Strukturen wäre ohne diese Verständigung untereinander und die nötigen Geldmittel nicht möglich gewesen.

Mittwoch, 1. Juni
Eric Poscher, begeisterter Radfahrer und Cargo-Bike-Experte, lud uns ein, die Entwicklung und Szene der Cargo-Bikes (Lastenräder in verschiedenen Ausführungen/Konstruktionen) in Kopenhagen zu erkunden. Seine Tour führte uns zunächst zur Geburtsstätte der Cargo-Bikes bzw. des bis heute allseits beliebten Ur-Modells „Christiania“, in der freien autonomen Siedlung Christiania. Längst wird das Bike in den dortigen Schmieden nicht mehr selbst produziert, sondern im Ausland gefertigt. Das Design ist und bleibt jedoch ein dänischer Klassiker, der im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Innovationen erfahren hat. Inzwischen ist es sogar möglich, mithilfe einer Open-Source Lösung ein  Cargo-Bike zuhause zusammenbauen (Pläne und Kits von XYZ Cargo: http://www.xyzcargo.com/?page_id=562). 

Nach einer Mittagspause im Norrebropark und mit einer auf einem Cargo-Bike gebackenen Pizza von Bike & Bake (Ein Pizzaofen, montiert auf einem modifizierten Rahmen von XYZ Cargo, Gesamtgewicht min. eine halbe Tonne: https://www.facebook.com/bikeandbakecopenhagen) im Magen ging es auf zu einer geführten Walking-Tour zum Thema nachhaltiger Stadtentwicklung in Norrebro mit Eva Diekman. Norrebro erfuhr als erstes der ehemaligen Arbeiter-Quartiere wie Vesterbro eine Stadtteil-Sanierung im großen Stil. Ohne Rücksicht auf die örtlichen Belange sollten ganze Häuserzeilen abgerissen werden, wogegen sich die Anwohner erfolgreich zur Wehr setzten. Ein schonender Umbau begann und heute finden sich in dem bis heute zu den Problemstadtteilen zählenden Norrebro zahlreiche nachhaltig wirtschaftende Start-Ups, Einzelhändler und Urban Gardening Projekte.

Besonders stach der vertikale Hydroponische Garten im IKEA Stil nahe des Hans Tavsens Park heraus. Bis zum in den Straßen kultivierten Gemüse für alle ist es aber noch ein weiter Weg, wie uns schien. Eine kleine Kostprobe der innovativen Ideen aus Kopenhagen wurde uns in Form des inzwischen allseits bekannten Stadtteil-Honigs gereicht. Jedes Bienenvolk produziert Honig mit ganz eigenem Geschmack, abhängig von der Flora, die ihnen die Stadtflächen und privaten Gärten bieten (Mein Favorit: Amagerbro).

Donnerstag, 2. Juni
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der energetischen Erneuerung und städtebaulichen Erweiterung Kopenhagens. Die Energieversorgung und der Aufbau benötigter Infrastruktur wird in Kopenhagen durch die zu 100 Prozent in kommunaler Hand befindlichen Stadtwerke HOFOR vorangetrieben. Die nicht gewinnorientierte Organisation ist für die Energie-, Gas- und Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung sowie Nahwärme- und -kälteversorgung zuständig. Wir wurden herzlich in den Räumen von HOFOR empfangen und ein Rundgang durch eines der Spitzenlast-Kraftwerke leitete über in eine umfangreiche Präsentation der Aktivitäten. Besonders das inzwischen zu 99 Prozent ausgebaute Fernwärme-Netz beeindruckte die Gruppe. Aber ebenso die Reinigung der Hafengewässer geht in die sehr positive Bilanz der Stadtwerke ein.

Direkt im Anschluss wurde die ARC Müllverbrennungsanlage in Amager angesteuert, um sich ein Bild von der Müllverbrennung als Energielieferant machen zu können. Neben erneuerbaren bzw. CO2-neutralen Energieträgern wird in Kopenhagen auch in Zukunft zu einem hohen Anteil auf Müllverbrennung gesetzt. Eine derzeit im Bau befindliche neue Anlage, soll durch die Ausrüstung mit modernster Filtertechnik den Schadstoff-Ausstoß deutlich reduzieren können. Eine Neuerschließung des umliegenden Geländes für Wohnbebauung wird durch die dann wegfallende Geruchsbelästigung möglich. Die herausgefilterten Partikel, sowie das nicht rückstandlos verbrannte Material (gebundenes aber immer noch schwermetallhaltiges Granulat) werden gesammelt und schließlich in den Straßen Kopenhagens als Asphalt-Unterlage oder für Fundamente verbaut. Nette Idee: Das Dach der neuen Verbrennungsanlage kann ganzjährig als Aussichtspunkt und Skipiste genutzt werden und soll dem bisher sehr unbelebten Stadtteil Zulauf verschaffen. Die Skifahrer werden aber auf echten Pulverschnee verzichten und mit einem Bodenprofil aus Plastikkugeln Vorlieb nehmen müssen.

Am Nachmittag erwartete uns Bo Christiansen, Architekt, Architektur-Vermittler und Inhaber von Scaledenmark. Bo zeigte uns Ørestad, das großangelegte Neubesiedlungs-Projekt südlich der Innenstadt Kopenhagens. Geplant als krasser Gegensatz zur alten Struktur der inneren Stadtteile, soll Ørestad nach Fertigstellung ca. 20.000 Menschen Wohnraum bieten und bis zu 60.000 Arbeitsplätze unterbringen. Die bauliche Umsetzung, der teilweise äußerst innovativen Planungen und Architektur-Entwürfe, scheint jedoch in den letzten Jahren ins Stocken geraten zu sein. Die Finanzkrise hat Dänemark schwer getroffen. Damit verbunden war ein Bau- und Investitionsstopp in Ørestad, der sich aber nach Aussage von Bo wieder aufzulösen scheint. In der Zwischenzeit werden ausgewiesene Bauflächen mit geringem Aufwand als Naherholungs- und Sportflächen für die ersten Bewohner Ørestads umgenutzt.

Das 8-Haus der Bjarke Ingels Group (BIG), die sog. VM-Häuser (BIG, JDS Architects, Plot) und der VM-Berg (BIG) waren Anlaufpunkte der Tour durch den weitläufigen Stadtteil. Bewohner des spektakulären 8-Hauses erreichen ihre Wohnungen von außen über einen sich entlang der acht-förmigen Gestalt des Hauses bis hoch in die elfte Etage schlängelnden Fahrrad- und Fußweg. Die untere Etage ist reserviert für Büros, Cafes und Lebensmittelgeschäfte. Ein Gesellschaftsraum im Angelpunkt der 8 steht für alle Bewohner zur Verfügung und kann für größere Festivitäten gemietet werden. Die Punzen der 8 sind als Innenhöfe mit Grünflächen angelegt. Die Flachdächer erstrahlen dank ihrer Bepflanzung in Grün-, Gelb- und Rottönen und vermögen es, das 8-Haus optisch in das angrenzende Naturschutzgebiet Amagerfeld einzubinden.

So sehr die einzelnen architektonischen Lösungen in Ørestad auch überzeugen mögen, so wenig ergibt sich bisher der Eindruck von Urbanität, geschweige denn ein zusammenhängendes Raumgefühl. Die Dimensionen mit denen Ørestad geplant wird, übersteigen das ansonsten aus Kopenhagen gewohnte menschliche Maß erheblich. Die Frage, ob solches Leben und Wohnen tatsächlich gewünscht wird, blieb im Raum stehen. 

Freitag, 3. Juni
Bei dem Besuch des Dänischen Architektur Zentrums (DAC) wurde die Stadt der Zukunft in Form einer Smart City thematisiert. Augmented Reality, Datensicherheit und –missbrauch, der gläserne Bürger, neue Formen sozialer Interaktionen in der Stadt und Aussichten zur Stadtplanung wurden anschaulich präsentiert und miteinander in Bezug gesetzt.

Am DAC trennten sich dann auch unsere Wege, nach einer erfahrungsreichen und inspirierenden Woche in Kopenhagen.

Rückblick: Istanbul 2013

Unsere letzte Istanbulreise hielt Fotografin Catharina Hopkins mit ihrer Kammera fest. Es entstanden faszinierende Aufnahmen, die zeigen, wie vielfältig und bunt die türkische Metropole ist.

Auch 2014 wird es wieder eine Reise nach Istanbul geben. Zur Information und Anmeldung geht es hier.

Quer durch - Mitten drin

Wanderurlaub

Quer durch - Mitten drin

Ein Wandererlebnis durch Wälder und über den früheren Truppenübungsplatz Vogelsang, inklusive der ehemaligen nationalsozialistischen "Ordensburg". In Tagestouren lernen Sie die Vielfalt der Landschaften des Nationalparks Eifel und die spannenden Prozesse der Rückentwicklung zum europäischen Naturwald kennen. Von den im Süden gelegenen Nadelwäldern, den Seen- und Flusslandschaften im Herzen des Gebietes zum weiten Grasland des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang.
Dazu werden die Besonderheiten links und rechts des Weges, die Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Naturschutzkonzepte vorgestellt. In Vorträgen und Diskussionen wird die politische und fachliche Entwicklung und Auseinandersetzung des „Nationalpark Eifel“ zum Thema.
In 2014 wird dieser Wanderurlaub zweimal angeboten.

 

 

 

 

 

 
 
 
 
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