Erinnerungskultur heute - An was und warum wir uns erinnern müssen

Veranstaltungsbericht

Unter dem Motto „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“ (Primo Levi) fand am Freitag, 21. August 2020 der 9. Grüne Salon Soest zum Thema „Erinnerungskultur heute. An was und warum wir uns erinnern müssen“ im Café Paradies statt. Ursprünglich war dieser Grüne Salon für den 20. März 2020 geplant und musste wegen der Corona-Pandemie seinerzeit abgesagt werden. Umso erfreulicher war, dass unter Umsetzung eines Hygienekonzepts nun der Grüne Salon als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte. Die Teilnehmerzahl war begrenzt worden und lag trotz widriger Umstände bei 35 Personen.

 Innenansicht der französischen Kapelle Soest

Ulrike Burkert und Hermann Buschmeyer führten in das Thema ein und verwiesen auf  die vorbereitenden Gespräche mit vielen Personen verschiedener Soester Einrichtungen und Vereine zur Erinnerungskultur in Soest.  Danach referierte Dr. Norbert Reichling über das Was, Warum und Wie des Erinnerns und stellte die Geschichte des Gedenkens und die Arbeit in Gedenkstätten und an verschiedenen Erinnerungsorten vor. Er stellte dabei auch kritische Aspekte, wie z. B. Anspruchsüberfrachtung, Übermoralisierung, Erinnerungskonkurrenzen, „Verstaatlichung“ des Gedenkens heraus. Anschließend wurde durch Ulrike Burkert der Bezug zur Soester Situation vertieft. Daran an schloss sich eine lange Aussprache, bei der Fragen der Qualität und der Professionalität des historischen Lernens sowie Aspekte des Auf-Dauer-Stellens der Erinnerungsarbeit thematisiert wurden, u.a. auch zum Stand eines zeitgeschichtlichen Museums im zukünftigen Belgischen Viertel in Soest mit der Französischen Kapelle als Kern des Museums. Einen besonderen Stellenwert hatte der Aspekt, wie die „mäandernden“ Angebote stärker institutionell gebündelt werden können.

Grüner Salon Soest im Café Paradies
Dr. Norbert Reichling (links) und Dr. Hermann Buschmeyer (r.) im Gespräch beim 9. Grünen Salon Soest.

Dr. Norbert Reichling stellt heraus, dass Historisches Lernen mit dem Ziel der Perspektivenerweiterung unkritische Identifikation und Betroffenheitsgestik vermeiden muss, ein genaueres Gespür für die Ambivalenzen auch in Täter-, Opfer- und Widerstandsgeschichten entwickeln muss. Historisches Lernen muss anstreben, dass die Teilnehmer*innen sich in die Geschichtlichkeit und Kontroversität der Erinnerungsorte hineinziehen lassen.

Vor dem Grünen Salon wurde eine Begehung des Jüdischen Friedhofs in Soest angeboten und von Teilnehmer*innen auch positiv gewürdigt.

Die Teilnehmer*innen haben das Angebot einer Präsenzveranstaltung dankbar angenommen, selbst wenn ein gewünschter, intensiverer Austausch im Anschluss an den Grünen Salon nicht möglich war.