„Das Gewicht der Welt“ ein Film von Florian Heinzen-Ziob

Veranstaltungsbericht

Am 12. Mai 2026 zeigte der Grüne Salon Düsseldorf im Metropol Kino den Film „Das Gewicht der Welt“ von Florian Heinzen-Ziob. Danach war eine Diskussion mit den Protagonist*innen und dem Regisseur angesetzt, die die Kulturbürgermeisterin Clara Gerlach moderierte.

Podidumsteilnehmer vor weißen Kinoleinwand

Das außerordentliche Interesse an dem Film und der anschließenden Diskussion führte dazu, dass die Vorstellung schon eine Woche zuvor mit 110 Plätzen ausverkauft war. Die eindringliche Diskussion, die den vorher eingeplanten Zeitrahmen am Abend durchaus überschritt, zeigte das nach wie vor starke Interesse an dem Thema, und die Vermutung mancher Parteien und Gruppen, dass sich nur noch eine Minderheit dafür interessiere, erweist sich immer wieder als falsch.

Vertiefender Bericht der Inhalte:

Welche Rolle spielen der Klimawandel und der Klimaschutz noch im öffentlichen Bewusstsein? Ein Maßstab dafür können die Programme und weiteren Stellungnahmen der politischen Parteien sein. Am 06. September 2026 findet zeitlich gesehen die nächste Wahl, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, statt. Um zu sehen, welchen Stellenwert der Klimaschutz in diesem Zusammenhang hat, lohnt sich also ein Blick in die Wahlprogramme. So taucht im ‚Regierungsprogramm‘ der CDU Klimaschutz vor allem als eine Gefahr auf, die möglichst abzuwehren ist. Auf der letzten Seite des Programms wird dazu aufgerufen, ideologische Klima- und Umweltvorgaben für ‚unsere Industrie‘ zu bekämpfen („Sachsen-Anhalt stärker machen – Nur mit uns“, S. 89: cdulsa.de, abgerufen am 29.06.2026). Im Kontrast dazu nimmt der Abschnitt „Für Natur, Klima und lebendige Regionen“ im Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen die ersten 30 Seiten ein. Leitend ist hier die Forderung, dass der Natur-, Umwelt- und Klimaschutz erheblich verstärkt werden muss. Dies ergibt sich aus den Risiken, die durch Extremwetterereignisse, den Verlust von Ökosystemen und den Rückgang der Artenvielfalt bedingt sind. („Nur mit Grün wird Zukunft draus“: gruene.lsa.de, S. 1-29, 26.06.2016)

Die anderen demokratischen Parteien bewegen sich in diesem Spektrum entweder zur einen oder zur anderen Seite hin. Einen überschaubaren Raum nimmt der Klimaschutz im Wahlprogramm des SPD ein – auf drei Seiten in der ersten Hälfte des Programms wird erläutert, inwiefern Klima- und Umweltschutz die Grundlagen ‚unseres Lebens‘ betrifft. Entsprechend der Programmatik der SPD steht der Aspekt der sozialen Ausgewogenheit von Klimaschutzmaßnahmen im Zentrum. („Mit Herz, Haltung und Zuversicht“, S. 22-24: spdsachsenanhalt.de, 29.06.2026) Die FDP hingegen definiert ihren Begriff der „ökologischen Leistung“ vor allem ökonomisch; der klassische Produktivitätsbegriff soll um den Verbrauch oder die Erzeugung natürlicher Ressourcen erweitert werden. Außer dieser Anmerkung findet sich nichts zum Thema Klima- und Umweltschutz. („Freiheit hat nur eine Heimat“, S. 16; 29.06.2026) 

Neben Frieden und sozialer Gerechtigkeit, ihrem Hauptanliegen, nimmt für die Linke der Klimaschutz immerhin sechs Seiten im letzten Drittel des Wahlprogramms ein. Dieser steht im Dienste des genannten Hauptanliegens, und so geht es um Klimaschutz, der sozial gerecht aufgestellt ist, wobei andererseits Frieden eine Voraussetzung für globale Nachhaltigkeit ist. („Wir sind der Pol der Hoffnung“: dielinke-sachsen-anhalt.de, S. 120-127, 26.06.2026) Im Wahlprogramm des BSW tritt Klimaschutz wiederum nur als Belastungsfaktor auf. Unter der Überschrift „Klimaschutz – aber sozial“ wird – auf einer halben Seite – gefordert, dass die „Lasten der Klimapolitik“ nicht länger denjenigen auferlegt werden, die sie am wenigsten tragen können. („Sachsen-Anhalt bleibt anders“: bsw.vg.de, S. 26, 26.06.2026)

Außerhalb des Spektrums der demokratischen Parteien lässt sich im Wahlprogramm der AfD zur Klimapolitik eine klimawandelleugnende kurze Passage finden: Die AfD lehne eine „globalistische Klimaideologie und die damit einhergehende Wohlstandsvernichtungspolitik grundlegend ab.“ – unter bewusster Verwendung der antisemitischen Chiffre des Globalismus. („Regierungsprogramm Sachsen-Anhalt“,Abschn. X. Energiepolitik: afd-regierungsprogramm.de, 26.06.2026)

Aus diesem Kurzüberblick über die Wahl- oder Regierungsprogramme für die bevorstehende Landtagswahl ergibt sich ein ziemlich klares Bild: Der Klimawandel wird – mit Ausnahme der Grünen – entweder als marginales Problem unter dem Vorbehalt der sozialen Frage behandelt, oder Klimaschutz erscheint sogar als Gefährdung der wirtschaftlichen Entwicklung. Dies gilt für die Mehrheit der zur Wahl antretenden Parteien im demokratischen Spektrum. 

Dieser Einblick in die Wahlprogramme ist sicher lehrreich, man könnte aber einwenden, dass es sich dabei um eine regional begrenzte Auswahl handelt, die in anderen Regionen oder sogar deutschlandweit klimabewusster ausfällt. Zu diesem Zweck lohnt es sich, in das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache hineinzuschauen. Hier wird gezählt, wie oft bestimmte Begriffe in deutschen Tages- und Wochenzeitungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg vorkommen. Aus einer kurzen Recherche ergibt sich, dass beispielsweise im Jahr 2023 Klimawandel über 42.000 mal erwähnt wurde, im Jahr 2025 ca. 23.000 mal und im laufenden Jahr 2026 bisher rund 6.000 mal – rechnet man dies auf das ganze Jahr hoch, dann kann man 10.000 bis maximal 12.000 Erwähnungen vorhersagen. Dies ist sehr grob gerechnet ein Absinken auf ein Viertel innerhalb von drei Jahren. (dwds.de, 30.06.2026) Ein solcher Einblick in die Berichterstattung der deutschen Presse gibt natürlich auch nicht das ganze Bild wieder, doch er verschafft einen Eindruck davon, wie wichtig – oder unwichtig – Begriffe im Laufe der Zeit werden. Und für ‚Klimawandel‘ sieht es hier nicht gut aus. 

Ein nachlassendes Interesse am Klimawandel ist auch das, was Wissenschaftler*innen bewegt, wenn sie sich mit seinen Erscheinungsformen und seinen Folgen beschäftigen. Eindeutige Nachweise seines fortschreitenden Einflusses auf unsere Umwelt liegen vor, Konsequenzen daraus werden immer weniger gezogen. Dies ist die Befindlichkeit dreier Forscher*innen, die im Dokumentarfilm „Das Gewicht der Welt“ des Regisseurs Florian Heinzen-Ziob vorgestellt werden. Maria Hörhold, Doktorin der Glaziologie, untersucht am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven Tausende Jahre altes Eis. Sebastian Seiffert,

Professor für Physikalische Chemie, lehrt und forscht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz über Polymere. Nana Grüning, Doktorin der molekularen Biologie, erforscht an der Berliner Charité biologische Grundlagen des Zellstoffwechsels. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit geht es im Film immer wieder darum, wie die Forscher*innen  mit der Tatsache umgehen, dass niemand in der Öffentlichkeit sich für ihre Erkenntnisse zu interessieren scheint, also darum, wie sie mit der emotionalen Seite ihres Berufs umgehen. 

Maria Hörhold kann im Rahmen ihrer Forschung an Eiskernen nachweisen, dass sich das Erdklima in den vergangenen 200 Jahren so stark erwärmt hat wie in den vorangegangenen 11.000 Jahren. Um in die Öffentlichkeit zu wirken, engagiert sie sich in klimapolitischen Initiativen wie in AWIs4future (AWI ist abgeleitet von Alfred-Wegener-Institut), einer Ortsgruppe von Scientists4future. Sebastian Seiffert entwickelt in seiner Forschung das Projekt HydroDesal, das vor allem in Ländern des globalen Südens den Aufbau von Meerwasserentsalzungsanlagen ermöglicht. Zudem hat er im Jahr 2021 Chemists4future gegründet und war Bundestagskandidat der Klimaliste in Rheinland Pfalz. Nana Grüning untersucht am Max-Planck-Institut, wie pflanzlicher Stoffwechsel auf oxidativen Stress reagiert. Sie hat Scientists Rebellion in Deutschland gegründet und nimmt an durchaus riskanten Aktionen teil. 

Der Regisseur Florian Heinzen-Ziob hat diesen Film im Sinne seines beobachtenden Stils entwickelt. Es geht in seinen Filmen grundsätzlich nicht „ums Erklären, sondern ums Erzählen. Statt die Belehrungen eines allwissenden Erzählers zu bebildern, sind es die Protagonist:innen selbst, die ihre Geschichte erzählen.“, so heißt es in der Broschüre zu dem Film. Infolgedessen standen auch immer wieder Szenen aus dem forschenden Alltag sowie dem Engagement der Protagonist*innen in der Öffentlichkeit im Vordergrund.