Böll befragt ... Avin Mahmoud (12|17)

Böll befragt ... Avin Mahmoud (12|17)

Interview

Avin Mahmoud, Psychologin, flüchtete aus Syrien und ist seit 3 Jahren in Deutschland. Sie engagiert sich bei „Jugendliche ohne Grenzen“ und erzählt von ihrem Engagement.

Urheber: privat. All rights reserved.

Liebe Avin, du engagierst dich bei „Jugendliche ohne Grenzen“. Welche Idee steckt hinter dieser Initiative? 

Jugendliche ohne Grenzen  (abgekürzt JoG) ist ein Zusammenschluss junger Geflüchteter in Deutschland, der 2005 als bundesweite Initiative gegründet wurde. Im Großteil geht es darum, die eigenen Anliegen sichtbar zu machen und für eigene Rechte zu kämpfen. Anders als Hilfsorganisationen bietet JoG dabei kein direktes Hilfsangebot für Geflüchtete an, sondern setzt sich aktiv, besonders politisch, für die Rechte und die Unterstützung junger Geflüchteter ein.
Das Hauptziel von JoG ist, sich für das Bleiberecht in Deutschland einzusetzen. Dabei sind gelebte Teilhabe und Partizipation ganz wichtig.

Wie kam es denn überhaupt zu deinem Engagement?

Ich bin seit ungefähr 2 Jahren aktiv bei JoG. Über ein Projekt zur politischen Bildung, das die Heinrich Böll Stiftung NRW angeboten hat, habe ich zwei Vertreter von JoG kennengelernt. Sie haben mich eingeladen, mir die Arbeit anzusehen und seitdem bin ich aktiv bei JoG, weil die Ziele von JoG mich selbst vertreten und wir solidarisch füreinander da sind. Die Hauptidee ist, dass Flüchtlinge sich selbst engagieren, ihre eigene Stimme haben und über ihre Schwierigkeiten selbst reden dürfen.

Mit Menschen sprechen, statt nur über sie: Haben Geflüchtete mittlerweile ausreichend Möglichkeiten aktiv an der deutschen Gesellschaft zu partizipieren? Falls nicht, was wäre für dich eine gute Lösung?

Eigentlich gibt es einige Möglichkeiten, aber diese sind nicht gut verfügbar und miteinander vernetzt.
Sehr wichtige Schritte zur gewünschten Partizipation sind dabei der Austausch und die Kooperation mit Kommunen, Organisationen und Stiftungen. Diese müssen besser und einfacher verfügbar sein, denn sie können die Mitgestaltung der politischen Struktur übernehmen. Ich betone immer, dass die Unterstützung auch weiterhin notwendig ist und der Austausch mit Geflüchteten geschehen muss. Nur über Geflüchtete zu sprechen hat keinen Sinn, wichtig ist, die Möglichkeit zu bieten, Geflüchteten Perspektiven zu zeigen. 

In einem Workshop heißt es am 25. Januar: „Geflüchtete haben viele Gesichter.“ Aus deiner Sicht als Psychologin: Was kann getan werden, um allen diesen Gesichtern eine Stimme zu geben?

Hinter jedem Gesicht steht eine Geschichte und in jeder Geschichte gibt es tragische Punkte, aber alle Geflüchteten haben denselben Wunsch: Sicherheit. Für geflüchtete Menschen muss ein sicheres Leben geboten werden, damit sie sich finden können, weil sie sich selbst und  ihre Identität verloren haben. Das Allerwichtigste ist,  psychologischen Komfort zu ermöglichen. 

Überzeuge mich mit einem Satz: Warum sollte ich zu der Veranstaltung in der Universität Duisburg-Essen unbedingt kommen?

„Ohne uns geht es nicht.“ Die gelebte Teilhabe von jungen Geflüchteten muss sichtbar gemacht werden, weil geflüchtete Menschen ein wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft und  Landespolitik sind.

Tipp: Am 25. Januar findet unsere Tagung Angekommen und dann? Politische Partizipation von Geflüchteten und was politische Bildung leisten kann statt - Avin ist mit einem Workshop dabei! Und das Beste: Die Tagung ist kostenfrei. Anmeldung über den Link.