Nachhaltig anders: Ökologie verstehen. Ein Rück-, Seiten- und Ausblick zum Thema Ökologie

Nachhaltig anders: Ökologie verstehen. Ein Rück-, Seiten- und Ausblick zum Thema Ökologie

Urheber: Jürgen Jansen. All rights reserved.

Unser zweitägiges Seminar fand, wie im Titel angekündigt, inhaltlich aufgeteilt in einen Rück- und Seitenblick auf die Ökologie am ersten Tag und einen Seiten- und Ausblick am zweiten Seminartag statt. Zusammengefunden hatten sich zu der Thematik ganz unterschiedliche Menschen aus NRW, einige schon seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Ökologie beschäftigt, andere erst ganz frisch an dem Thema tiefergehend interessiert.
Zu Beginn stellten sich die beiden Referenten und Umweltwissenschaftler vor. Michael Weltzin ist für die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Referent für Klimapolitik und ökonomische Instrumente der Klimapolitik, mit dem eigenen Forschungsschwerpunkt Abfallwirtschaft. Hermann E. Ott war in der Legislaturperiode 2009-2013 Mitglied des Bundestags und für die Grünen in der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität und seit langem beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie tätig. Gleich zu Anfang gab uns Hermann Ott einen Einblick in die Arbeit und Resultate aus der Enquete-Kommission, der uns als Einstieg in seine anschließende Präsentation über das globale Bild der Ökologie diente.

Ott ging von einer Diskussion der mittleren Erdtemperatur seit etwa 20.000 Jahren aus und betonte ihren rasanten Anstieg seit Beginn der Industrialisierung, mit dem Verbrauch fossiler Ressourcen, der Ausreizung der Regenerationsfähigkeit und der Verschmutzung und Vergiftung der Erde im globalen Zusammenhang. Hier zeigte sich gleich zu Anfang die Diskussionsfreudigkeit und das starke Interesse der Seminarteilnehmer*innen am Thema: Es entstand sofort eine engagierte Diskussion über die Ursachen durch den Menschen für die ungebremste Zerstörung des Planeten wider besseres Wissen.

Im Anschluss daran und nach dem Überblick über die dramatischen Auswirkungen der Industrialisierung wies Michael Weltzin darauf hin, welche gravierenden Umweltschäden inzwischen erfolgreich verringert wurden. Diese „klassische“ Umwelttechnik und Umweltpolitik nennt Weltzin den „end of pipe“-Ansatz: Es werde das dreckige Abfallprodukt gefiltert, geklärt oder verbrannt. Die grundsätzliche Vermeidung von Abfall und Abgas sei zunächst noch nicht wichtig gewesen. Die sich wieder anschließende Diskussion wandte sich der Mengenproblematik zu: Zurzeit ist nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung für die jetzt schon erhebliche Überlastung der Erde verantwortlich. Bei steigendem Lebensstandard rund um den Globus vervielfacht sich auch die Belastung. In diesem Zusammenhang wurde schnell die Systemfrage gestellt: Ist das Problem in unserem heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem überhaupt zu lösen?

Gegen Ende des Tages konnten die Teilnehmer*innen ihrer Diskussionsfreudigkeit in kleinen Gruppen freien Lauf lassen und diskutierten, wie sie z.B. bisher das Verhältnis von Mensch und Natur erlebt haben, ob es hierin einen Wandel gab, und welche Rolle Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik beim Schutz der Umwelt spielen. Präsentiert wurden die Ergebnisse kurz im Plenum. Entspannt und diskursiv konnte der Abend in den Räumen der Heinrich Böll Stiftung NRW bei einem Abendessen ausklingen, nach dem Hermann Ott und Michael Weltzin noch lange aus dem Berliner Politikbestrieb berichteten.

Der zweite Seminartag begann morgens mit weiteren Inputs und Diskussionen. Dieser Tag widmete sich verstärkt den möglichen Politikinstrumenten zur Steuerung von umweltschädlichem Verhalten. Vom weichen Steuerungsinstrument der Aufklärungskampagne bis hin zum härtesten des Verbots wurden hier zahlreiche Politikansätze vorgestellt und diskutiert. Auf Probleme und Vorzüge der Instrumente wurde unter anderem an den Beispielen des Europäischen Emissionshandels und der europäischen Verordnung  zum Verbot von Glühbirnen eingegangen. Die Teilnehmer*innen kritisierten hier zum Teil die marktorientierte Herangehensweise an die Problematik. Die Diskussion entflammte sich an den teils absichtlich konstruierten Schlupflöchern der Politikinstrumente und dem großen Einfluss der Industrie auf deren Ausgestaltung.

In diesem Zusammenhang ging Hermann Ott auf den Prozess der Gesetzesbildung und auf die Schwierigkeit der Verabschiedung internationaler Abkommen ein, aber auch deren Kontrolle. Zum Abschluss hin wurde die Notwendigkeit der globalen wirtschaftlichen Transformation aufgezeigt, mit einem geschlossenen Kreislaufsystem von Ressourcen, Prozessen und Produkten. Es wurden einige Produktbeispiele vorgeführt, die zum Beispiel auf Kompostierbarkeit abzielen.

Die Abschlussdiskussion widmete sich weiter der Verantwortung von Konzernen und Lobbyisten am Stillstand in der Klimapolitik, aber auch der Bedeutung des Handelns des Einzelnen. Die Notwendigkeit ganzheitlicher integraler Bildung und der Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, wurde hervorgehoben. Ebenso festgestellt wurde die Notwendigkeit einer anderen Wirtschaftsweise, die ohne Wachstum auskommt. Ob diese im Neoliberalismus überhaupt möglich ist? Abschließend formulierte jede*r Teilnehmer*in einen persönlichen letzten Redebeitrag, viele davon fielen nicht so hoffnungsfroh aus. Ist der Mensch überhaupt fähig, sein Handeln zu ändern, wenn ihn die Folgen nicht unmittelbar betreffen? Mehr Hoffnung brachte jedoch die Erkenntnis, dass viele Menschen in unterschiedlichen Bereichen für einen Wandel in der Klimapolitik unterwegs sind und dass auch einzelne Aktionen große Auswirkungen haben können.

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